Sonntag, 22. Mai 2011
Antizipierte Lese-Unfreuden
Da steht es da, hochkant zwischen so manch privatem kleinem Schatz, und dreht mir den hässlichen Rücken zu. Es war eine hektische Entscheidung, die ich bloß aufgrund des Titels traf - "Die kindliche Gesellschaft" - und kennt man meine persönliche Vorliebe für sozialkritische Beobachtungen mag man meinen, meiner Hand wäre ein Glücksgriff gelungen, als ich in den Bücherkisten auf dem Speicher meines Elternhauses wühlte.

Leider war ich wohl zu konzentriert darauf, jedwedem Gespräch, das mein Vater plump zu initiieren versuchte aus dem Wege zu gehen und ließ mich von dem provokanten Titel leiten.

Und jetzt steht es da, und steht und steht - im lilanen Hardcover, und schon alleine die Tatsache, dass der Autor auffälliger ins Auge springt als der Titel berückt mich mit einer Penetranz, die auch mich den Rücken zukehren lässt. Profaner Pappdeckel in Hochglanz. Und ohne das Buch je aufgeschlagen zu haben weiß ich schon jetzt, dass die knapp 400 Seiten, die es umfassen mag in einer größeren Schrift gedruckt sind als sie sonst üblich ist.

Nichts im Vergleich zu den Taschenbuchformaten, die ich liebevoll bei mehrmaliger Lektüre abgenutzt habe - mich daran in der Bahn festgeklammert und in meiner Tasche herumgetragen habe, darüber eingeschlafen bin, und darauf wieder aufgewacht, mit denen ich geweint und gelacht habe.

Ist das nun Intuition, oder vorschnelles Urteil?