Donnerstag, 16. Juni 2011
denk-bar.
Genau genommen lässt sich im Grunde alles ganz vortrefflich problematisieren, um vor lauter Glückseligkeit all der Gallit..- Verzeihung, Alliterationen wegen gründlichst zu grunzen.

Tatsächlich weiß ich inzwischen kaum mehr um meine Leserschaft, und aus welchem Anlass es sie hierhin verschlagen hat - weshalb ich versuche mich so bedeckt wie möglich zu halten; seit längerer Zeit überlege eine neue Nische zu finden, in der sich das Schreiben nicht von vorneherein beschnitten und zensurbedürftig anfühlt.

Aber vielleicht wird es auch mit der Zeit, wenn etwas Sand zwischen den Fingern verronnen und "Gras darüber gewachsen" sein wird. So lange ich mir darüber nicht sicher sein kann, bleibt alles bei reiner Spekulation und im Bereich des Erwägbaren, aber nicht Auszuführenden.


Womit der finale Spannungsbogen fast schon wieder geschlagen worden wäre. Sind manche Dinge einfach Probleme, weil man sie selbst zu sehr problematisiert? Ein leiser G(!)edanke, der heute an meinem Rockzipfel zog, als ich nach gefühlten 10 Minuten Schlaf auf dem Weg zum Zahnarzt durch Kölns Straßen wankte und mich in Ferenzi- Fantasien erging. Jeder Weg möglich und denkbar, abzulehnend und einladend zugleich. Spielräume einbezogen, die eigentlich als längst verworfen galten. Bewusst abwägen.

Und mit Zahnschmerzen zurückkehren, die ich vorher nicht hatte.

Gääh.



Samstag, 4. Juni 2011
des jours comme aujourd'hui
Die banalen Alltäglichkeiten. Die dicke Nachbarin, die man eigentlich nur hört, wenn ihr Lakai auf die Big-Ben-trällernde Klingel drückt um ihr die georderte Cola zu überreichen - oder wenn sie an der unseren Tür klingelt, um zu behaupten, sie hätte vor ein paar Tagen geputzt - nur, dass wir Bescheid wissen. Seltsam bloß, dass sich ihr Bemühen.. nein, ihre Taten!.. bislang gänzlich meiner Wahrnehmung entzogen haben - aber vielleicht ist solch elfengleiche Gestalt allzu leicht zu übersehen, wie sie so wischend über die Treppenstufen schwebt. Und die Klingel hat mittlerweile - sollte ich nun "glücklicherweise" sagen? - den Geist aufgegeben. Tada!

Die Katze, die auf dem Stuhl sitzt und mir dabei zuschaut, wie ich den Tisch schrubbe. Der Kater, der auf dem Bett liegt und mir dabei zuschaut, wie ich durch das Zimmer kehre. Oder morgens weckt, indem er seinen dicken Bauch auf den meinen plumpsen lässt, auffordernd schnurrt und so lange gekrault werden will, bis ihm vor lauter Selbstvergessenheit die Zunge aus dem Gesicht hängt. Private Post, die allzu lange unbeantwortet auf dem Schreibtisch liegt. Ein entzückender Mann, der seinen Fuß mal sieht, und dann wieder nicht. Einzeltermin um Einzeltermin, den es wahrzunehmen gilt und mich immer wieder aufs Neue nervös macht - sei es nun Vorstellungsgespräch, aus gegebenem Anlaß der bevorstehende Tag zum Probearbeiten oder lediglich der Zahnarzt.

Mein Bruder, der ein Video seiner "labernden Abrißbirne" verschickt und mich erstaunt zurücklässt, wie schnell die Kleine groß wird.
EHEC, das mir nicht die Tomate vom Brot nehmen wird.

Wenig zu sagen, aber viel zu denken und zu fühlen.
Und die Sonne scheint.



Sonntag, 22. Mai 2011
Antizipierte Lese-Unfreuden
Da steht es da, hochkant zwischen so manch privatem kleinem Schatz, und dreht mir den hässlichen Rücken zu. Es war eine hektische Entscheidung, die ich bloß aufgrund des Titels traf - "Die kindliche Gesellschaft" - und kennt man meine persönliche Vorliebe für sozialkritische Beobachtungen mag man meinen, meiner Hand wäre ein Glücksgriff gelungen, als ich in den Bücherkisten auf dem Speicher meines Elternhauses wühlte.

Leider war ich wohl zu konzentriert darauf, jedwedem Gespräch, das mein Vater plump zu initiieren versuchte aus dem Wege zu gehen und ließ mich von dem provokanten Titel leiten.

Und jetzt steht es da, und steht und steht - im lilanen Hardcover, und schon alleine die Tatsache, dass der Autor auffälliger ins Auge springt als der Titel berückt mich mit einer Penetranz, die auch mich den Rücken zukehren lässt. Profaner Pappdeckel in Hochglanz. Und ohne das Buch je aufgeschlagen zu haben weiß ich schon jetzt, dass die knapp 400 Seiten, die es umfassen mag in einer größeren Schrift gedruckt sind als sie sonst üblich ist.

Nichts im Vergleich zu den Taschenbuchformaten, die ich liebevoll bei mehrmaliger Lektüre abgenutzt habe - mich daran in der Bahn festgeklammert und in meiner Tasche herumgetragen habe, darüber eingeschlafen bin, und darauf wieder aufgewacht, mit denen ich geweint und gelacht habe.

Ist das nun Intuition, oder vorschnelles Urteil?